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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – JETZT! Fraktion vor Ort: Mitglieder der SPD Fraktion interviewen zum Equal Pay Day

Seit dem Jahr 2008 wird international der Equal Pay Day an dem Tag, begangen, der das Datum, an dem Frauen im Durchschnitt zum Stichtag 31.12. des jeweiligen Vorjahres genauso viel verdient haben wie Männer. Das diesjährig errechnete Datum ist der 21.03.2014. 80 Tage für lau arbeiteten die Frauen 2014 um das Lohnergebnis bei gleicher Arbeit wie Männer zu erzielen, welches diese am 31.12.2013 bereits hatten.

Der Equal Pay Day wird auch der „Tag der roten Taschen“ bezeichnet. Die roten Taschen stehen für die roten Zahlen in den Portemonnaies der Frauen. Die roten Taschen stehen sinnbildlich für die roten Zahlen, die durch die Lohnungleichheit bei der Entlohnung gleicher Arbeit von Frauen und Männern geschrieben werden. 

Das Motto des Equal Pay Days am 21.03.2013 lautet „…und raus bist du? Minijobs und Teilzeitarbeit nach Erwerbspausen.“

Anlass genug für die SPD-Fraktion in der BVV Mitte von Berlin für gleiche Bezahlung auf die Straße zu gehen. Gleichzeitig war uns wichtig, auf „Frauenfallen“ im Arbeitsleben aufmerksam zu machen. An der Aktion beteiligt waren Janina Körper, Alev Deniz, Susanne Fischer, Martina Matischok und Stefan Draeger.

Die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern findet sich in vielen Bereichen des täglichen Lebens wieder. Besonders trifft es aber Frauen im Bereich der Teilhabe am Arbeitsleben. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern im Vergleich gleich geleisteter Arbeit liegt bei 22 Prozent. 22 Prozent, die Frauen weniger verdienen!

Hinzu kommt, dass viele Frauen durch Unterbrechung und / oder Reduzierung wegen Kindererziehung und Pflege von Angehörigen Schwierigkeiten haben, den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu finden. Beschäftigung in Minijobs und Teilzeitarbeit sind oft gewählte Modelle, um einerseits beruflich wieder Fuß zu fassen, andererseits Familie und Beruf vereinbaren zu können. Die eigene Fort- und Weiterbildung und Karrierepläne werden zeitlich nach hinten gestellt oder ganz verworfen.

Die Mitglieder der SPD-Fraktion beteiligen sich mit ihrer Aktion am Equal Pay Day, um diese Missstände aufzuzeigen und Frauen zu ermutigen, selbstbewusst ihren beruflichen Weg von der Gehaltsverhandlung bis zur Karriereplanung und Übernahme von Führungspositionen zu bestreiten.

Aus Anlass des Equal Pay Days wollten die Mitglieder der SPD Fraktion wissen, ob und ggf. in wie weit dieser Tag im Bewusstsein der Menschen in Berlin Mitte ist. Mit einem roten Bilderrahmen und Kamera ausgerüstet sprachen wir Passantinnen und Passanten auf den EPD an. Als Symbol des EPD`s trugen wir rote Taschen und verteilten das E%tra Blatt und Hinweiskarten, die die bezirklichen Gleichstellungsbeauftragten Berlins am Vormittag ebenfalls unter die Menschen brachten. Um unsere Ergebnisse festgehalten zu wissen, entwarfen wir einen Fragebogen zur fraktionsinternen Verwendung.

Die wenigen Frauen, die mit roter Tasche unterwegs waren, ließen schon vermuten, dass es vielen Frauen gar nicht bewusst oder es ihnen im schlimmsten Fall egal war, um was für einen Tag es sich handelt. Bestätigung bekamen wir bereits bei der ersten Frage unseres Interviews.

Fast jede zweite Frau verneinte die Antwort auf die Frage, ob sie den Equal Pay Day kenne. Erstaunlich, damit war nicht zu rechnen.

Auf die Frage nach der Berufstätigkeit antworteten ¾ der Frauen mit Ja, allerdings war davon mehr als die Hälfte in Teilzeit oder gering bezahlter Beschäftigung. Inwieweit sie bei gleicher Arbeit weniger bekommen als ihre männlichen Kollegen, konnten die wenigsten Frauen beantworten. Viele gaben an, gar nicht gewusst zu haben, dass es keine Lohngerechtigkeit gibt.

Deutliche Unterschiede im Gespräch gab es bei den verschiedenen Altersstufen der Frauen. Jugendliche und junge Frauen hatten so gut wie gar keine Ahnung vom Equal Pay Day und zur Lohnungleichheit, hatten aber auch wenig Interesse mehr zu erfahren. Frauen mittleren Alters waren auch nicht gerade im Bilde, aber interessiert. Frauen, die das Rentenalter demnächst erreichen bzw. dieses bereits erreichten waren durchaus über die Lohnungerechtigkeit und Frauenfallen im Familien- und Berufsleben informiert. Sie gaben an, leider erst zu spät darüber Kenntnis erlangt zu haben und nun die faulen Früchte des damaligen Rollenverhaltens „Frau für Familie – Mann für Beruf“ ernten zu müssen. Geringe Rente, Grundsicherungsbezug, finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann waren traurige Botschaften, die wir hören mussten.

Unterschiede gab es auch bei den Antworten deutscher Frauen und Touristinnen, wobei die Berlin bereisenden Frauen aus dem Ausland kommend den EPD deutlich mehr kennen und der Auffassung waren, dass die Lohnunterschiede in ihren Herkunftsländern geringer als die in Deutschland sind.

Wir nehmen als Fazit mit:

  • Lange vor dem errechneten Equal Pay Day 2015 muss verstärkte Aufklärungsarbeit um den Tag, aber insbesondere darum weshalb es diesen geben muss, betrieben werden.
  • Die Aufrufe zum Tragen einer roten Tasche am Equal Pay Day 2015 müssen lauter werden.
  • Frauenthemen müssen in den politischen Fokus gerückt werden, um durch unsere Fragen und Anregungen zum Handeln insbesondere ans Bezirksamt Mitte von Berlin einen Beitrag zu leisten, dass es den Equal Pay Day am 01.01 eines Jahres gibt, und dass Frauen sich mehr für sich und ihre Zukunft interessieren. Dazu gehört wie sie Beruf und Familie vereinbaren können, wie sie ihren Alltag und ihre Freizeit bestreiten und wie sie selbstbewusst entsprechende Unterstützung einfordern.

Die SPD Fraktion wird entsprechende Fragen ans Bezirksamt stellen und um Handlungen im Interesse der Frauen durch BVV – Initiativen zu den verschiedensten Themenfeldern ersuchen.

 

Martina Matischok