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„Im Wedding gibt es keine Hechte“. Besuch bei SPRINT im Medienhof in der Prinzenallee

Für Projektleiter Herbert Weber (Foto re.) ist im Sommer eine lange Phase des Bangens zu Ende gegangen. Ende Juli kam der Bewilligungsbescheid der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin über insgesamt 180.000 Euro für SPRINT. Nachdem sich das Projekt zur Sprach- und Bildungsförderung im Soldiner Kiez in der ersten Jahreshälfte nur schlecht als recht mit Einzelspenden und privaten Zuwendungen über Wasser halten konnte, ist nun der Betrieb bis Mitte 2015 grundsätzlich gesichert.

Der Fraktionvorsitzende der SPD im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh (Foto li.), und der Weddinger Abgeordnete Ralf Wieland (Foto Mi.) nahmen im November eine Einladung von Herbert Weber gern an, sich das Projekt vor Ort aus der Nähe zu betrachten und mit Schülern und Lehrern ins Gespräch zu kommen.

SPRINT, das im Medienhof in der Prinzenallee 25/26 angesiedelt ist, betreut wöchentlich rund 120 Schülerinnen und Schüler aus dem Brennpunktkiez Soldiner Straße zur kostenlosen, individuellen Hausaufgaben- und Nachhilfe. 23 von ihnen haben im Frühjahr ihren MSA-Abschluß oder das Abitur gemacht. Dabei kooperiert SPRINT mit 6 Schulen im Kiez, an denen 32 studentische Förderlehrer als Unterrichtsassistenten oder direkt in der Nachhilfe tätig sind.

Bei dem Gespräch im November wurde deutlich, dass der Schlüssel zum Bildungserfolg in der Sprachkompetenz liegt. Und daran mangelt es bei den von SPRINT betreuten Kindern und Jugendlichen – die allermeisten von ihnen mit Migrationshintergrund – häufig. Die Kinder können alle deutsch und sich problemlos verständlich machen. Wenn aber mehr als die alltägliche Umgangssprache oder geschriebene Sprache erwartet wird, sind die Grenzen schnell erkennbar. Dabei sind es häufig banale Probleme, die leicht zu beheben wären. Wenn – so das ganz praktische Beispiel einer Lehrerin – in der Schule ein Satz wie „Der Hecht liegt im Schilf und lauert auf seine Beute“ behandelt wird, können manche Schüler damit nichts anfangen. Erst durch Nachfragen stellt sich heraus, dass sie die Begriffe „Hecht“ und „Schilf“ nicht kennen – die gibt es im Wedding nämlich nicht. Und auf diese Weise entstehen häufig auch schlechte Noten in anderen Fächern, z.B. Mathematik. „Abstraktionsvermögen oder logisches Denken sind selten das Problem“, so die Erfahrung von Herbert Weber, „aber wenn die Kinder von vornherein nicht verstehen, um was es in einer Textaufgabe geht, klappt es natürlich auch mit dem Rechnen nicht“.

Der Besuch hat eine altbekannte Erkenntnis bestätigt: Es lohnt sich, sich um die Kinder zu kümmern. Sie wollen etwas lernen und sind interessiert. Aber es braucht individuelle Betreuung und eine gewisse „Nachhilfe“ im Sinne von Anschieben. Und das heisst: Zeit. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Die Fördermittel der Klassenlotterie sind bei SPRINT sicherlich gut angelegt.

Nähere Informationen zu SPRINT, über geplante Projekte und zu den Beschäftigungsmöglichkeiten für Lehramtsstudierende finden sich auf der Website www.foerderunterricht-sprint.de. Dort finden sich auch Hinweise, wie man das Projekt unterstützen kann.