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Debatte zum Lehrerbildungsgesetz: Eine qualitative Verbesserung der Berliner Schule

Ein entscheidender Baustein, um eine bessere und inklusive Berliner Schule für alle aufzubauen, ist die Einführung eines neuen Lehrerbildungsgesetzes. Die LehrerInnen stehen nach der berliner Schulreform zur Zweigliedrigkeit vor neuen Herausforderungen. Mit dem neuen Gesetz wollen wir die Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer stärken, damit sie die Schülerinnen und Schüler optimal fördern können. Die folgenden Punkte, die auch auf die Empfehlungen der Expertenkommission Lehrerbildung basieren, erscheinen mir dabei besonders wichtig.

Um die Lehrerbildung an das reformierte Schulsystem anzupassen, würden die neuen LehrerInnen demnach eine zielgerichtete Ausbildung bekommen, die sich an der Schulstufe und dem Bildungsgrad der Schüler orientiert. Die anachronistische Ausbildung von Hauptschullehrern und Realschullehrern, für die es in Berlin keinen Bedarf mehr gibt, wird abgeschafft.

Zudem möchte ich mir für die Einführung eines Praxissemester stark machen, um die StudentInnen mit ihrem zukünftigen Arbeitsplatz schon im Studium vertraut zu machen. Mit der Hilfe und Betreuung von MentorInnen an den Schulen sollen die Lehramtsstudenten ihre professionellen Kompetenzen verbessern und die aktive Gestaltung selbständigen Unterrichts erlernen.
Mit der Einführung des Praxissemesters wird noch eine andere Zielrichtung verfolgt: Die MentorInnen an den Schulen werden auch von den StudentInnen lernen, denn diese bringen aus der Universität aktuelle Studieninhalte, aktuelle didaktische Methoden, aktuelle Fachlichkeit, usw. mit. Wenn die Lehrkräfte eine offene Einstellung zum Praxissemester mitbringen, werden auch sie und somit auch direkt die SchülerInnen davon profitieren werden.

Der Lehrermangel an beruflich bildenden Schulen soll mit der Einrichtung eines „Aufbaumaster“ neben dem grundständigen Studiengang reduziert werden. Damit wird ein Angebot für diejenigen, die gern Berufsschullehrer werden möchten, zur Verfügung stehen. Solch ein Masterstudiengang kann nicht nur helfen, den Mangel an Lehrkräften zu lindern, sondern bei der Ausbildung dieser auch auf mehr Fachlichkeit für die Berliner Berufsschulen achten.

Das neue Lehrerbildungsgesetz soll auch eine deutliche Erhöhung der fachlichen Kompetenz der Berliner Grundschullehrer garantieren. Gute frühe Bildung wird möglich, wenn die StudentInnen des Grundschullehramtes eine stärkere sprachliche und mathematische Didaktikausbildung erhalten. Die Fächer „sprachliche Grundbildung in Mündlichkeit und Schriftlichkeit“ sowie „mathematische Grundbildung“ sollten obligatorisch für alle Grundschullehramts-Studenten werden. Dies erlaubt allen zukünftigen Grundschullehrern, den Schülern die Grundfertigkeiten dieser wichtigen Fächer zu vermitteln.

Ein wichtiger Punkt, um im Thema Inklusion voranzuschreiten, ist die Vorbereitung und Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer auf den inklusiven Unterricht. Dazu gibt es zwei interessante Empfehlungen der Expertenkommission. Einerseits soll ein Studienschwerpunkt „Sonderpädagogik/Rehabilitationswissenschaften“ innerhalb der Studiengänge für die verschiedenen Schulformen eingerichtet werden. Das würde bedeuten, dass die Lehrer durch diese Ausbildung Spezialisten für bestimmte Behinderungsformen werden und weiterhin an ihrer jeweiligen Schule wie Grundschule, integrierte Sekundarschule, Gymnasium und Berufsschule unterrichten.

Andererseits sollen alle StudentInnen eine sonderpädagogische Grundqualifikation bekommen. Mit dieser werden alle zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer reagieren und handeln können, wenn von ihnen gefordert wird, inklusiv zu arbeiten.

Damit schaffen wir einen großen Fortschritt, um die Berliner Schulen weiterhin zu verbessern, denn die Lehrkräfte werden die Werkzeuge und Fertigkeiten haben, um diese große und richtige Herausforderung zu erfüllen. Das ist unser Ziel und daran arbeiten wir.

Der Artikel von İlkin Özışık erschien zuerst in der “Propagandistin” der 16.Abteilung.