Berlin Mitte

„Große“ Schlüsselverträge bei Sportanlagen im Bezirk Berlin – Mitte

Schwerpunkt der Sitzung des Sportausschusses am 19.06.2012 war die Thematik der eigenverantwortlichen Nutzung von Sportanlagen durch Vereine mit Schlüsselverträgen am Beispiel des  SV Nord Wedding 1893 e.V..

Der Vorsitzende des Sportausschusses Hans-Günter Mahr lud daher zur Ausschusssitzung ins Vereinsheim des SV Nord Wedding 1893 e.V. in die Kühnemannstraße 52 in 13409 Berlin ein, wo der Vereinsvorsitzende Gerd Thiel „Rede und Antwort“ stand.Finanzengpässe des Landes und der Bezirke bedeuten immer Engpässe in der Förderung wichtiger Politikfelder, so auch im Sportbereich. Angedacht wurde vor Jahren, durch Schlüsselverträge die Senkung der Betreiberkosten für Sportanlagen zu erreichen. Gespart werden so die Kosten für Platzwarte, Materialkosten für Instandhaltung und – setzung, indem diese Aufgaben durch Verträge an von den Sportämtern ausgewählte Vereine übertragen werden. Das Sportfördergesetz und die Sportanlagennutzungsverordnung (SPAN) bilden den rechtlichen Hintergrund für die Schlüsselverträge. Danach können Sportanlagen anerkannten Sportvereinen zur eigenverantwortlichen Nutzung überlassen werden. Vorteil für den Verein ist die Überlassung der Sportanlage zur vorrangigen Nutzung, wobei die freie Zeit anderen Nutzern zur Verfügung gestellt werden muss. Die Betriebskosten der Sportanlage zahlt der Verein.  Anhand der ausgehandelten Aufgaben des Vereins, können auch Zuwendungen vom Bezirk gezahlt werden, sofern zusätzliche den Bezirkshaushalt entlastende Aufwendungen vom Verein erbracht werden. Die Höhe der Zuwendung richtet sich nach der Aufgabenübertragung.

Es handelt sich bei Überlassung der Sportanlage zur vorrangigen Nutzung in Verbindung mit der Zahlung einer Zuwendung um die sogenannten „großen“ oder auch „erweiterten“ Schlüsselverträge.

In Berlin-Mitte gibt es zwei „große“ Schlüsselverträge mit Zuwendungen. Dies sind die Sportplätze in der Kühnemannstraße und in der Ofenerstraße. Hertha BSC hat für den Sportplatz in der Holzmannstraße ebenfalls einen „großen“ Schlüsselvertrag, allerdings ohne Zuwendung.

Vorteil ist nur die eigenverantwortliche Nutzung des Sportplatzes durch den Inhaber des Schlüsselvertrages unter zur Verfügung Stellung der Sportanlage an Schulklassen und hinsichtlich der sonstigen freien Nutzungsstunden an andere Vereine. Einnahmen werden hieraus nicht erzielt, das Gegenteil ist der Fall sein. Der Verein zahlt drauf, aber der Bezirk spart dadurch Personal- und Bewirtschaftungskosten. Beim SV Nord Wedding 1893 e.V. werden die drei Platzwarte vom Verein gestellt und deren Aufwand auch von diesem entschädigt. Daneben werden alle Reinigungs- und Pflegearbeiten der Sportanlage einschließlich der Verkehrsfläche vom Verein durchgeführt und finanziert und das zur vollen Zufriedenheit des Sportamtes Mitte seit dem Jahr 2002.

Der Verein SV Nord Wedding 1893 e.V. bildete sich im Jahr 2001 aus den Vereinen SV Nord-Nordstern 1896 e.V. und SC Rapide Wedding 1893 e.V. und wurde durch diese Vereinigung zu einem der größten Vereine in Berlin Mitte Ortsteil Wedding.

Zur Zeit werden vier Sportarten beim SV Nord Wedding 1893 e.V. angeboten. Es handelt sich dabei um Fußball, Boxen, Tennis und Gymnastik. Auf der sehr gepflegten Anlage macht das „Sporteln“ Spaß.

Das auf dem Gelände befindliche Vereinsheim lädt zum Verweilen ein und ermöglicht die Pflege der über den Sport aufgenommenen Kontakte. Das Vereinsheim wurde auf Kosten von SV Nord Wedding 1893 e.V. errichtet und ging ab Fertigstellung in das Eigentum des Bezirks über. Abzahlungsverpflichtungen bestehen aber noch bis mindestens 2017. Zusätzlich muss der Verein für den im Vereinsheim befindlichen gastronomischen Betrieb Miete an den Bezirk zahlen.

Wie jeder Verein ist auch der SV Nord Wedding 1893 e.V. auf Mitglieder angewiesen. Bei Abschluss des „großen“ Schlüsselvertrages war der Verein über 1.000 Mitglieder stark. Durch den Weggang von sechs Pankower Vereinen reduzierte sich die Mitgliederzahl auf derzeit 362. Dies bedeutet weniger Nutzungsstunden, weniger Auslastung und Einnahmeverluste wegen ausbleibender Beiträge. Wichtigstes Anliegen ist daher die Mitgliederaquise. Doch dies gestaltet sich schwer. Der Sportplatz liegt abgelegen. Der einzige in dieser Straße fahrende Bus 250 fährt nur bis in die Abendstunden und am Wochenende gar nicht. Alle weiteren Verbindungen zum ÖPNV sind umständlich, lange Fußwege müssen in Kauf genommen werden. Nicht nur für Kinder sind die Wege zu lang. Bei Dunkelheit bietet die Wegstrecke nicht gerade ein Sicherheitsgefühl. Bemühungen den Sportplatz nahegelegenen Firmen für Betriebssportmöglichkeiten interessant zu machen, scheiterten bisher.

Das ist schade, denn durch die wenigen Mitglieder können Kosten für die Platzarbeiten, für die Platzwarte, die Miete für das Vereinsheim an den Bezirk und die Rückzahlungsverpflichtung des Darlehens an die Senatsverwaltung Vereine finanziell in Schieflage bringen. Die Kündigung von Schlüsselverträgen seitens des Vereins könnte die Folge sein. So auch hier.

Die Mitglieder des Sportausschusses der SPD-Fraktion setzen sich für den Erhalt der Schlüsselverträge mit Zuwendungen ein, dies aber zu fairen Bedingungen. Entsprechend werden wir weiter verfolgen, dass kein Verein durch Abschluss dieser Verträge Not leiden muss und Gerechtigkeit dort hergestellt wird, wo dies erforderlich ist. Erfreulich in diesem Zusammenhang ist der entstandene Eindruck aus der Sitzung des Sportausschusses, dass dies von allen anwesenden Mitgliedern fraktionsübergreifend so gesehen wird. Auch der Stadtrat für Sport Uli Davids und der Leiter des Sportamtes Herr Schmidt sind zum Wohle der Vertragsinhaber bemüht.


Martina Matischok