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Fraktion on Tour: Besuch der Ausstellung „Untergrund – Das Alte Rathaus von Berlin. Die archäologische Neuentdeckung“

Am 10.01.2014 besuchten Mitglieder der SPD-Fraktion der BVV-Mitte auf Initiative von Stefan Draeger die Ausstellung „Untergrund – Das Alte Rathaus von Berlin. Die archäologische Neuentdeckung“.
Der Direktor des Neuen Museums, Herr Prof. Wemhoff, führte uns exklusiv durch die Ausstellung, die uns umfassende Einblicke zu den Ausgrabungen und Fundstücken verschaffte.

Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass das „Alte Berlin“ durch den baulichen Wandel im Laufe der Zeit zerstört sei. Bauten in Berlin wurden immer wieder abgerissen und neu aufgebaut, Bauten vergangener Epochen damit verschwunden.

Durch Bebauungsvorhaben insbesondere in der Stadtmitte konnte diese Irrannahme widerlegt werden. Außergewöhnliche Funde wurden entdeckt, die bereits freigelegt sind und die es noch freizulegen gilt, um Zeugnisse früherer Zeiten für die Nachwelt zu erhalten. Mit daraus resultierenden Nachteilen insbesondere durch Veränderungen neuer Bauvorhaben in der Zeitabfolge müssen wir zugunsten des Erhaltes unserer baulichen Geschichte umgehen. Es bleibt nicht aus, dass Bauvorhaben in ihrer zeitlichen Planung erheblich beeinflusst wurden und werden. So auch beim Verlängerungsbau der U-Bahnlinie 5 (U5).

Ab 1861 wurde das Rote Rathaus gebaut und ersetzte das Alte Rathaus aus dem Mittelalter, welches im Laufe der Zeit baufällig und zu klein für die städtischen Anforderungen wurde. Das um 1280 entstandene Alte Rathaus, an der ehemaligen Königsstraße (heute Rathausstraße) gelegen, war damit erst einmal verschwunden und galt lange Zeit als zerstört.

Im Jahr 2009 begangen Archäologen im Zusammenhang mit dem Bau der U5 mit Ausgrabungen und machten eine bedeutsame Entdeckung. Sie stießen auf Kellerräume des Alten Rathauses und im Folgenden u. a. auf weitere Bauteile des Alten Rathauses, Bürgerhäuser, Straßenzüge Gebrauchsgegenstände und Münzen. Insgesamt 8.000 Quadratmeter umfasst das archäologisch wertvolle Areal.

Der Baubeginn April 2010 musste erheblich verschoben werden. Die Ausgrabungsarbeiten dauerten aufgrund der Größe des Fundes länger an. Hinzu kam, dass die Bauplanungen verändert werden mussten, um sich an die neuen Gegebenheiten anpassen zu können.  Sicherlich ärgerlich zumindest für die Investoren dieses Bauvorhabens. Der Zeugniserhalt vergangener Epochen für die Nachwelt übertrifft aber jedes Ärgernis.

Die Mitglieder des SPD-Fraktion sind sich sicher, dass noch viele Funde insbesondere im Bezirk Mitte ausgegraben werden. Durch die neuesten Entdeckungen u. a. am Petriplatz und am Roten Rathaus ist die nötige Sensibilisierung gegeben, auch tieferliegende Bodenuntersuchungen vorzunehmen.

Der Senat und der Liegenschaftsfond müssen Lösungen finden, die den Erhalt weiterer tief verborgener Schätze in unserer Stadt sichern. Archäologische

Bodenuntersuchungen, die historisch bedeutende Funde vermuten lassen oder bestätigen, müssen zu Ausgrabungen führen, die die nötige Zeit bekommen die Funde zu sichern. Bauvorhaben müssen daher im Nachrang zur Freilegung eines von Erdboden verdeckten archäologischen Fundes stehen. Von allen möglichen Gründen für Verzögerungen und damit Verteuerungen bei Bauprojekten sollte ein archäologischer Fund der nachvollziehbarste sein. Auch der Bund sollte im Interesse des Gemeinschaftswohls entsprechend sensibel mit den verdeckten wertvollen Beständen umgehen und nicht mit Rückzahlungsverpflichtungen unter Zugzwang setzen, sobald bauliche Verzögerungen notwendig werden, um kostbares Gut aus alten Zeiten bergen zu können.

Die Mitglieder der SPD-Fraktion der BVV-Mitte begrüßen und unterstützen Initiativen im Sinne des Erhaltes archäologisch wertvollen Gutes, damit künftig gesichert ist, dass es Ausstellungen, wie die uns heute im Neuen Museum präsentierte, gibt.

Die Ausstellung „Untergrund – Das Alte Rathaus von Berlin. Die archäologische Neuentdeckung“ präsentiert rund 80 Fundstücke, die Einblicke in die bauliche Historie und in das Alltagsleben im Mittelalter geben. Das Bauwerk vereint Baustile aus der Zeit 1280 bis 1865 / 1869. Die Ausstellung informiert über die historische Architektur und Gebrauchsgüter vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Die Methodik der Ausgrabung und das Bergen einiger Funde wird daneben unterstützend filmisch sowie durch Schautafeln und Bildmaterial dargestellt.

Die Pläne der BVG in Absprache mit dem Baukonzern Bilfinger und den politischen Akteuren werden in einem Film thematisiert. Der Ausgrabungsort soll nach den derzeitigen Planungen den Eingang des künftigen U-Bahnhofs „Berliner Rathaus“ bilden. Geplant ist die Sichtbarmachung einiger Fundamente im Bahnhofseingang und Bahnhofsbereich durch ein sogenanntes archäologisches Fenster. In welcher Form die öffentliche Präsentation tatsächlich erfolgt, muss abgewartet werden. Auf jeden Fall werden die Funde der Ausgrabung im U-Bahnbereich für die Öffentlichkeit sichtbar sein. Die Mitglieder der SPD-Fraktion sind sich einig, dass es sich dabei um eine für die Stadt Berlin herausragende Art des Umgangs mit Kulturgütern handelt. Wir können es kaum abwarten, die Strecke abzufahren, um weitere Einblicke über den Fund zu erhalten.

Mittlerweile steht auch der Weiterbau der U 5 fest, der nach erheblich zeitlicher Verzögerung des Baubeginns aufgrund der Ausgrabungsarbeiten zuletzt Ende Oktober 2013 unterbrochen werden musste. Anlass waren Grundwasser bedingte Sicherheitsbedenken, da der U-Bahnhof „Museumsinsel“ teilweise unter dem Kupfergraben liegen soll. Sachverständige sollten evtl. Risiken ausschließen. Am 10.01.2014 einigten sich die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta und der Baukonzern-Vorstandschef Roland Koch nach grünem Licht zweier Gutachter, dass am 27. Januar 2014 die Arbeiten fortgesetzt werden. Die Ablaufplanung soll dahingehend umgestaltet werden, dass die Inbetriebnahme der vom U-Bahnhof „Alexanderplatz“ verlängerten U-Bahn-Linie über „Berliner Rathaus“ und Museumsinsel bis „Brandenburger Tor“ planmäßig Ende 2019 erfolgen kann. Ausstellungsstücke des Fundes „Altes Rathaus“ werden dann im U-Bahn-Bereich zu bestaunen sein.

Martina Matischok