Berlin Mitte

Einbürgerung in Berlin Mitte

Am Montag letzte Woche fand im BVV Saal des Bezirksamtes Mitte die Einbürgerungszeremonie statt. Es war ein sehr schöner Rahmen für die Verleihung der Urkunden: Es gab Livemusik und anschließend einen Sekt-/Saftempfang im Foyer, die Europa-, Deutschland-, Berlin-, Mitteflaggen verzierten den Raum zutreffend für diesen Akt.

Herr Stephan von Dassel, der zuständige Stadtrat für Soziales und Bürgerdienste, fand die richtigen Einleitungsworte: „Deutschland will Sie, Deutschland braucht Sie“. Er bedankte sich bei allen, dies sich die Mühe gemacht haben. Damit meinte er bestimmt die bürokratischen Hürden.

Es ist etwas Wunderbares gewollt zu sein und erwünscht in einer anderen Gesellschaft, der man gerne angehören möchte.

Am meisten beeindruckt hat mich die kurze Rede einer Iranerin nach dem Erhalt ihrer Urkunde. Sie sagte: „Das Beste, was mir bisher passiert ist, ist die Geburt meiner Tochter und der Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft. Denn nun kann ich frei wählen.“

Was für uns so selbstverständlich ist, ist für viele Menschen, die unter uns leben nicht möglich oder mit schlechten Erfahrungen aus ihren Heimatländern behaftet. Unsere Errungenschaften sind ein kostbares Gut, dass sollten wir Deutsche nicht vergessen.

Es wurden so viele Geburtsorte genannt; von überall her kommen die Menschen in unserer Stadt. Sie wollen hier leben und hier bleiben. Sie sind unvoreingenommen, was das Deutschsein anbelangt. Zur Nationalhymne standen sie alle auf und zeugten Respekt. Es ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft, für unsere Stadt, für unser Land. Ihre Vielfalt sollten wir als eine Chance begreifen.

Unser Bezirk tut sehr viel, damit sich die Menschen hier wohl fühlen. Auf unserer Bezirksseite ist es treffend formuliert:  „Es geht um Wertschätzung, Respekt und ein Miteinander auf Augenhöhe“. Der Leitbegriff hierbei ist die „interkulturelle Öffnung: in der Verwaltung, in der Gesellschaft, in den Medien, in der Politik“.

Über die Voraussetzungen zum Erhalt der Urkunde kann man sich vorzüglich streiten. Den Fragenkatalog habe ich mir online angetan. Aber im Augenblick der Übergabe der Urkunden habe ich eher an die Freude und die freundlichen Gesichter dieser Menschen gedacht. Sie machten Fotos und ihre Familien waren stolz, man konnte es ihnen ansehen.

Ich habe mich an meine eigene Einbürgerung erinnert: Es war in einem kleinen Raum in irgendeiner Verwaltung, ich kann mich nicht mehr erinnern wo. Ich erhielt die Urkunde und war enttäuscht: kein nettes Wort, keine Geste des Willkommens, keine Rede, keine Musik. Als ich wieder draußen war, fragte ich mich, ob das alles war. Es war so bürokratisch, kühl und unbedeutsam. Als wäre es ein Verwaltungsakt, der nun mal gemacht werden musste. Die Senatsverwaltung für Inneres hat im August 1991 meine Einbürgerung mit dem Dienstsiegel auf der Einbürgerungsurkunde besiegelt. Auf der Urkunde steht: Die Einbürgerung hat sich nicht auf Kinder der Eingebürgerten erstreckt! Heute, als Mutter von zwei Kindern weiß ich, was das bedeutet.

Vorige Woche habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Stadt Duisburg eine Stadtrundfahrt verschenkt hat bei der Einbürgerung. Als haushaltspolitische Sprecherin bin ich mir über die finanzielle Lage unseres Bezirkes durchaus bewusst: Für große Geschenke haben wir kein Geld. Aber es gibt wirklich Dinge, die man nicht für Geld bekommt. Eine nette Geste, ein freundliches Wort. Eben eine Willkommenskultur, die niemandem etwas kostet.

Aliye Stracke-Gönül