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36. Traditionelles Turmstraßenfest. Drei Tage Sauf-Parcours und Ramsch-Meile oder Kulinarisches Musikevent und Einkaufsboulevard in Moabit?

Immer wieder war das Turmstraßenfest Thema in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin. Schon oft musste sich auch der Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Ordnungsangelegenheiten damit beschäftigen. Die Veranstaltungsleitungen des jeweiligen Festes, einige Befürworterinnen und Befürworter und viele Kritikerinnen und Kritiker gaben ihre stark unterschiedlichen Eindrücke wieder.

Positiv wird das Besuchsaufkommen angemerkt. Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch viele Menschen aus anderen Bezirken Berlins und über die Landesgrenze hinaus, kommen gerne, um bis zu drei Tage auf der Turmstraße bei Livemusik und kulinarischen Leckereien zu feiern und feilgebotene Waren zu kaufen.

Hingegen wird bemängelt, dass der Charakter dieser Veranstaltung einer Fress-, Sauf- und Ramschmeile gleicht. Dauerbeschallung aus den Musikboxen, unerträglicher Lärmpegel durch den erhöhten Publikumsverkehr, viele davon bereits kurze Zeit nach Eröffnung des Turmstraßenfestes mit erhöhter Promille unterwegs, teils laut grölend, teils pöbelnd, teils lethargisch, Schnapsleichen gleich. Müll überall wo das Auge hinblickt.

Der Abwärtstrend des Turmstraßenfestes, welches im Jahr 1976 erstmalig als gelungenes Event durch Industrie und Bezirksamt unterstütztes Moabiter Ereignis des Jahres gefeiert wurde, nahm Jahr für Jahr zu.

Bestrebungen über mehrere Jahre dem Fest den einstigen Charakter zurück zu geben scheiterten, wenngleich kleine Verbesserungen seit letztem Tiefstand des Festes vor einigen Jahren langsam sichtbar wurden.

Martina Matischok Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Ordnungsangelegenheiten machte sich daher auf den Weg über die ca. 1 Km lange Strecke zwischen Strom- und Waldstraße, um ihre Eindrücke vom diesjährigen Turmstraßenfest aufnehmen zu können.

Vom 31.08.2013 bis 01.09.2013 konnten sich Kiez- und Straßenfestbegeisterte auf der Turmstraße vergnügen. Entlang der Turmstraße gab es zwei große Bühnen mit wechselnden Musikprogramm, Raum für Kinderaktivitäten, Schaustellerinnen / Schausteller, eine etwas buntere Mischung von Verkaufsständen und verschiedene Durst löschende und Hunger stillende Angebote.

Das diesjährige Angebot war von vielen Kinderaktivitäten geprägt. Über die Festmeile verteilt gab es z. B. Dosen werfen, Entenangeln, unterschiedliche Fahrgeschäfte (u. a. Karussells, Luftschaukel), Rutsche, Ponyreiten, Zuckerwatte, gebrannte Mandeln und Lebkuchenherzen. Dazwischen Stände mit den typischen Textilien, aber auch Kunstschmuck aus Silber. Die ausgesuchten kulinarischen Angebote und wenigen Bierstände hinterließen einen anderen Eindruck als bisher vom Turmstraßenfest bekannt. Es entstand der Eindruck eines gut angenommenen Familienfestes.

Gespräche u. a. mit Herbert Rabe, der an der Ausgestaltung des Festes mitwirkte, verdeutlichten die Bemühungen um das Einwerben hochwertigerer Stände. Stolz berichtete Herr Rabe von den vielen neuen Angeboten insbesondere für Kinder und der Informationsecke, welche noch ausgebaut werden soll. Künftig so hofft er, noch viele Initiativen und Vereine für das Turmstraßenfest gewinnen zu können.

Hans-Günter Mahr (Vorsitzender der SPD Fraktion in der BVV-Mitte) ist seit vielen Jahren auf dem Turmstraßenfest präsent „Das Turmstraßenfest in Moabit vom 01.09.2013 bis   03.09.2013 war wie immer gut besucht. Bemerkenswert war, dass es dieses Jahr mehr Fahrgeschäfte als in den früheren Jahren gab. Alle politischen Parteien, die auch in der BVV Mitte vertreten sind,  hatten  Informationsstände. Ebenfalls gab es Stände des Heimatvereins Tiergarten und verschiedener Bürgerinitiativen. Ich freue mich, dass das Turmstraßenfest 2013 mehr zum Familienfest geworden ist und hoffe, dass im Jahr 2014 noch weitere Verbesserungen insbesondere im Warenangebot folgen.“

Stefan Draeger (Wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in der BVV-Mitte) war zum ersten Mal beim Turmstraßenfest. „Vergleiche zu Vorjahren hatte ich nicht. Aufgrund der politischen Debatte um das Turmstraßenfest in der Vergangenheit hatte ich allerdings schon einige Informationen über den jährlichen Verfall des Festes und die Bestrebungen der Bezirksverordneten hier Abhilfe zu schaffen. Zwei Dinge hatten mich daher besonders erstaunt. Mit dem so gut  besuchten Turmstraßenfest hatte ich nicht gerechnet, mit dem Angebot auch nicht. Neben sehr vielen Kinderaktivitäten waren aber auch die vielen Stände mit Billig-Angeboten (Taschen, Spielzeug etc.) auffällig. Allerdings empfanden die zum Warenangebot befragten Festbesucherinnen und -besucher nicht so. Gefreut hat mich, dass auch einige Initiativen ihre Stände aufgebaut hatten. Leider war die „Stadtteilvertretung Turmstraße“ nicht vertreten. Vielleicht lässt sich die Teilnahme mit der Stadtteilvertretung für die nächsten Feste erreichen, möglicherweise sind dann auch viele andere Initiativen, Vereine und weitere Gewerbetreibende der Turmstraße mit eigenen Ständen dabei.“

Axel Vierhufe (Sprecher der SPD-Fraktion der BVV Mitte im Ausschuss für Transparenz und Bürgerbeteiligung), der die Entwicklung des Festes seit Jahren kritisch und konstruktiv begleitet, stellt fest: „ Das Turmstraßenfest 2013  war besser als befürchtet.

Im Jahr 2013 trugen die Bemühungen der Veranstalter des Turmstraßenfestes zur Erlangung einer höherwertigen Angebotsbreite erste Früchte. Mehr Individualität, weniger Ramsch waren zu beobachten. Anerkennenswert und keineswegs selbstverständlich war die erneute Einrichtung einer sozialen Meile in Höhe der Turmstraße 75.

Leider gab es auch in 2013 keine Einbindung der vor Ort aktiven Initiativen in der Planungsphase des Festes. Hier wäre mehr Transparenz dringend geboten.

Es gibt also noch immer Potentiale, die es auszuschöpfen gilt. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit minderwertigem Warenangebot und Alkoholismus sind bereits kleinste Verbesserungen als Fortschritt zu bewerten.

Im Wahljahr 2013 war das Fest natürlich geprägt von zahlreichen Informationsangeboten der politischen Parteien. Auch zahlreiche Mitglieder der SPD-Fraktion in der BVV Mitte standen am Stand der SPD an der Bremer- Ecke Turmstraße  den Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort.

Anders als im Vorjahr, waren in 2013 auch Mitarbeiter des bezirklichen Ordnungsamtes zumindest zeitweise anwesend. „Hier hat die Kleine Anfrage 0282/IV der SPD-Fraktion (Turmstraßenfest 2012 – (k)eine Freude für Moabit!) offenbar erste Wirkung gezeigt“.   Ich  will  im nächsten Schritt vom Bezirksamt erfragen, was mit den Ergebnissen der Rundgänge des Ordnungsamtes passiert , denn dies wäre der erste Schritt, in der Zukunft weitere Verbesserungen erreichen zu können! “

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Turmstraßenfest auf einen guten Weg ist, vom einstigen Glanz wieder etwas erahnen zu lassen. Hierzu bedarf es aber in den Folgejahren weiterer intensiver Bestrebungen in Richtung hochwertigerer Angebote und das verstärkte Einbinden von Initiativen und ansässigen Gewerbetreibenden. Die SPD-Fraktion wird den Fortgang weiter beobachten.

 

Martina Matischok