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Chancengleichheit erhalten wir nicht nur mit Kopfnicken

Die AfB-Mitte und die 17. Abteilung vor Ort in der Ernst-Reuter-Sekundarschule. Ein Bericht von Janine Wolter.

Immer wieder erfahren wir durch Vergleichstudien wie PISA, IGLU und Vera und durch Berichte wie der Chancenspiegel der Bertelsmann Stiftung die bittere Wahrheit: In Deutschland ist der Bildungserfolg zu sehr von der Herkunft und vom sozialen Status abhängig. Jeder, der diesen Satz hört, nickt zustimmend. Im internationalen Vergleich schneiden wir in Sachen Bildung als Exportriese und eine der weltgrößten Volkswirtschaften miserabel ab. Da wundert man sich, dass man am 26. Februar, 13 Jahre nach der ersten PISA Studie, während einer Veranstaltung der AfB Mitte und der 17.Abteilung der SPD Berlin-Mitte, in einer Schule steht, in der die Fenster marode sind, wo Wasser teilweise durch die Decke läuft und an der die Lehrkräfte bis zur Erschöpfung arbeiten.

Die Ernst-Reuter-Sekundarschule ist eine Schule in schwieriger Lage, bildungspolitisch „Brennpunktschule“ genannt. Über 95% der Kinder haben einen Migrationshintergrund und die meisten von ihnen kommen aus sozial
benachteiligten Familien. Der Notendurchschnitt liegt bei 3 und 4. Unterstützung erfahren die Lehrkräfte von den Eltern kaum. Selbst die Schüler/-innen kommen hier selten zum Lernen her, sondern eher, weil sie hier Freunde treffen. Fast allen Schüler/-innen fehlt es an Motivation und Perspektive. Da steht man in einer Schule, wo sich alle einige sind, dass das Plädoyer der Lehrkräfte – ein Plädoyer für kleinere Klassen, mehr Personal, mehr Unterstützung vom Bezirk und vom Land – endlich umgesetzt wird. Zuletzt erfolgte Reformen sind ein kleiner Anfang. Aber sie greifen oft nicht die Probleme im Kern. Hier reicht kein zustimmendes Kopfnicken. Hier braucht
es ein Handeln. Handeln für die Kinder einer Schule, die nur vier Kilometer vom Regierungsviertel entfernt ist.