150 Jahre SPD

150 Jahre SPD: Erika Heß – „Mutter vom Wedding“

Wenn von berühmten Frauen der SPD in Berlin die Rede ist, dann darf Erika Heß nicht fehlen. Kaum Eine hat so engagiert, einfühlsam und erfolgreich für soziale Gerechtigkeit gekämpft wie sie und dabei die Geschichte des Weddings entscheidend geprägt. Erika Heß ist deswegen heute noch Vielen als sozialdemokratische Kommunalpolitikerin aus Leidenschaft und Überzeugung in Erinnerung.

Erika Heß war keine gebürtige Berlinerin. 1934 im westfälischen Hachen geboren, zog sie erst 1961 nach Berlin. Im selben Jahr trat sie der SPD bei. Ihr unvergleichliches Engagement begann zunächst als Bezirkspolitikerin in Zehlendorf, wo sie unter anderem Bezirksverordnete und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin war.

Ihre eigentliche Erfüllung fand sie jedoch erst im Wedding, wo sie 1981 Bürgermeisterin wurde und dank ihres einzigartigen Wesens binnen kürzester Zeit die Herzen der Weddinger/-innen für sich gewann. Ebenso engagiert wie im Wedding war sie auch in der SPD, wo sie u.a. Landesvorsitzende der ASF Berlin und stellvertretende Bundesvorsitzende der ASF war.

Erika Heß zeichnete sich durch ihre ungemeine Nähe zur Bevölkerung aus. Sie war bei Weitem keine Politikerin, die sich hinter ihrem Schreibtisch versteckte, sich vor klaren Worten drückte oder den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürger scheute. Sie war Politikerin aus Leidenschaft, weil sie davon überzeugt war, dass Politik für die Menschen da ist, nicht umgekehrt.

Erika Heß verstand sich gerade nicht als Amtsträgerin oder bloße Repräsentantin einer Partei sondern als Anwältin der Bürgerinnen und Bürger. Sie suchte bewusst den Kontakt zur Bevölkerung. Sie begegnete den Menschen vor Ort stets auf Augenhöhe und behandelte Jede/n gleich ungeachtet ihrer/seiner sozialen Stellung. In unzähligen Gesprächen, die sie mit den Bürgerinnen und Bürgern führte, offenbarte sich Ihr großes Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit. Sie zog die Weddinger Bevölkerung in Windeseile in ihren Bann – auch dank ihrer herausragenden Rhetorik. Erika Heß wusste es begeisternde Reden zu halten, weil sie eine verständliche, bildhafte Sprache benutzte und auf ihre Zuhörerinnen und Zuhörer einging.

Angetrieben durch Mitmenschlichkeit, die Sorge für die Schwächeren in der Gesellschaft und die Empörung über soziale Ungerechtigkeit war sie eine unermüdliche Kämpferin, die nicht aufgab, bis die Schwächeren bessergestellt und Missstände beseitigt wurden. Sie war eine durch und durch überzeugte Sozialdemokratin im Einsatz für eine sozial- und geschlechtergerechte sowie solidarische Gesellschaft.

Ihr Engagement für die Schwächeren in der Gesellschaft, ihre ungemeine Volksnähe, große Menschlichkeit und Wärme brachten ihr letztlich den Ehrentitel „Mutter vom Wedding“. Sie prägte mit ihrer Einzigartigkeit die Geschichte des Weddings wie kaum eine andere Frau.

Erika Heß erlag 1986 – leider viel zu früh – einer schweren Krankheit. Posthum bekam sie für ihr herausragendes Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Was Erika Heß so einzigartig machte, war jedoch, dass sie diese Auszeichnung nicht so sehr interessiert hätte wie der Zuspruch und die Unterstützung der Menschen vor Ort, für die sie kämpfte. Sie verkörperte mit ihrem Engagement Ideale von Menschlichkeit und Wärme, die inspirieren. Als Politikerin mit Herz und Leidenschaft ist sie daher noch heute ein Vorbild für alle Sozialdemokratinnen.

Eva Högl

Der Artikel erschien zuerst im ASF-Newsletter