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Fraktion vor Ort zum Thema: „Die Müllerhalle – wie geht`s weiter?“

Die Müllerhalle im Wedding ist Geschichte, die Bagger haben ihre Arbeit getan, der Abbruch ist erfolgt. Doch wie geht es weiter? Was ist geplant? Wann wird gebaut? Was wird gebaut? Welche Ware wird dort künftig feilgeboten?

Berechtigte Fragen rund um das Baugrundstück an der Müllerstraße 123 – 125, denen sich Vertreterinnen und Vertreter der SPD-Fraktion der BVV – Mitte am 23.02.2013 in der Gastwirtschaft „Frabea“ in der Afrikanischen Straße 90 (Ecke Otawistraße) in 13351 Berlin stellten.

Moderiert wurde die Veranstaltung von der Weddingerin Bruni Wildenhein-Lauterbach, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus.

Für die SPD-Fraktion der BVV-Mitte standen Rede und Antwort: Martina Matischok, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses; Stefan Draeger, wirtschaftspolitischer Sprecher und Janina Körper, stadt- und verkehrspolitische Sprecherin. Das Podium vervollständigte Meltem Cömertbay als Kaufland-Vertreterin.

Im Publikum waren die Bezirksverordnete Regina Schilf und Vera Morgenstern.

An Stelle der abgerissenen Müllerhalle wird ein Neubau errichtet, der bei planmäßigem Bau bereits September 2013 fertiggestellt und eröffnet werden sollte. Nach Verzögerungen grundbuchtechnischer Art wird nun der November/ Dezember 2013 als verbindlicher Eröffnungstermin genannt. Vor Beginn der Veranstaltung suchte Martina Matischok die Baustelle auf und stellte fest, dass auch heute am eisig verschneiten Samstag Bauarbeiten durchgeführt wurden.

Investor und Architekt ist Holger Merz, Inhaber der Merz Objektbau.

Geplant ist ein zweistöckiges Einkaufszentrum mit einer Bauhöhe von 12,36 m.

Die Architektur wird als hochwertig bezeichnet. Danach soll der Neubau in großzügiger, geschlossener Fläche, in dunkelgrauem Klinker mit Schaufenstern zur Müllerstraße entstehen. Nach Abschluss aller Verhandlungen kamen Bedenken. Bedenken, dass durch den Neubau mit seiner anthrazitfarbenen Klinkerfassade die Müllerstraße düster wird. Allerdings wurde hinsichtlich der Farbgestaltung lange und intensiv u. a. auf Bezirks- und Landesebene diskutiert.

Vorgestellt wurde das Bauprojekt durch den Bauherrn im Wirtschaftsausschuss der BVV-Mitte, im Stadtplanungsamt des Bezirksamtes Mitte, im Baukollegium[1] sowie über den Steuerungsbeauftragten für das Sanierungsgebiet Müllerstraße, Jahn Mack und Partner,  in der Stadtteilvertretung, die Farbgestaltung war jeweils Thema. Einwände zugunsten hellerer Töne gab es nicht, im Gegenteil, die dunkle Klinkerfassade zur Aufwertung der Geschäftsstraße wurde explizit insbesondere durch das Baukollegium empfohlen. Anhand der Architektenbilder wirkt die Fassade allerdings auch nicht düster. Den vorgestellten Entwürfen entsprechend liegt daher die Genehmigung vor. Es bleibt abzuwarten, ob und ggf. wie der Investor eine Farbänderung vornimmt.

Möglich wäre dies aufgrund der Investorerfahrungen im Bezirk Pankow nach Fertigstellung des Gebäudes durch Merz Objektbau auf dem Garbátyplatz. Im Vergleich zur Farbgestaltung der vorliegenden Architektenbilder der „neuen Müllerhalle“ in der Tat ein düsteres Objekt. Der für die Müllerhalle ausgewählte Farbton wirkt dagegen viel heller, die Genehmigung erfolgte anhand dieser Vorlage. Bei Bau der neuen Müllerhalle sind die Maßgaben der Baugenehmigung einzuhalten. Wir werden darauf achten, dass es keine gravierenden und vor allem keine dunkleren Abweichungen zum vorgestellten und genehmigten Farbton geben wird. Wir sind allerdings auch zuversichtlich, dass es beim Bau des Einkaufszentrums an der Müllerstraße keine Probleme geben wird. Dies schon alleine aufgrund der Tatsache, dass der Bezirk Pankow eine Rückbauanordnung erlassen hat, welche mit einem Bußgeld von 50.000,- € wegen Nichteinhaltung der Baugenehmigung hinsichtlich der Vorgaben zur Farbgestaltung versehen wurde. Dem Bauherren wird daher daran gelegen sein, keine weiteren Schwierigkeiten zu erhalten.

Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich die neue Müllerhalle befinden wird, ist die  Kaufland Stiftung & Co. KG, welche im Auftrag von Merz Objektbau die Baupläne auch umsetzt und für den korrekten Ausbau verantwortlich ist. Frau Cömertbay gab an, dass sich Kaufland an die Vorgaben hält und es auch hinsichtlich der Farbgestaltung keine Abweichung in dunklere Töne geben wird.

Kaufland ist nicht nur bauverantwortlich für die neue Müllerhalle mit einer Verkaufsfläche von rund 5.550 m² und einer Stellfläche von rund 5.460 m²,  sondern auch Ankermieter. Kaufland wird im Obergeschoss ca. 4.500 m² einnehmen. Mit Real und Edeka ist die obere Müllerstraße damit am Rande des zu verkraftenden Einzelhandels im Bereich der  Nahversorgung. Weitere Ansiedlungen derartiger Lebensmittelgroßgeschäfte darf es daher nicht mehr geben.

Die restlichen Flächen im Obergeschoss sowie ca. 550 m² im Erdgeschoss entlang der Müllerstraße werden für kleinteiligen Einzelhandel vorgesehen.

Im Einzelnen handelt es sich dabei u. a. um ein Reformhaus, einen Schreibwarenmarkt, Optiker, Presse- und Lottoladen, ein Blumengeschäft und ein Cafe. Vier Altnutzer /  Altnutzerinnen kehren zurück. Es handelt sich dabei um Mc Paper, den Lotto Toto Laden, das Reformhaus und den Zeitungsladen.

Befürchtungen der Anwesenden, dass sich eine Spielhalle oder ein Wettbüro in Räumlichkeiten der neuen Müllerhalle einschleichen wird, wurden ausgeräumt. Frau Cömertbay teilte eindeutig mit, dass an diese Art von Gewerbe und auch sonst zwielichtigem Gewerbe keine Vermietung erfolgt.

Die Zufahrt zum für Kauflandkundinnen und -kunden kostenlosen Parkdeck mit 188 Parkplätzen für PKW und 54 Fahrradstellplätzen erfolgt von der Müllerstraße, die Ausfahrt von der Müller- und Lüderitzstraße. Die Anlieferung der Waren für Kaufland erfolgt von der Lüderitzstraße, für die anderen Händler von der Kongostraße. Es bestehen Ängste hinsichtlich starker Ausgleichsbelastung umliegender Straßen und hinsichtlich Lärmbelästigung für Anwohnerinnen und Anwohner durch den Lieferverkehr, der naturgemäß stärker ausfallen wird als zu den letzten Tagen der alten Müllerhalle, Auch wird befürchtet, dass der neu angelegte Radfahrweg durch die Abbiegerspur für den Lieferverkehr unsicher wird. Frau Cömbertbay teilte mit, dass auch die abgerissene Müllerhalle beliefert wurde und dass das Lärm- und Verkehrsgutachten so ausgelotet wurde, dass die Anliegerinnen und Anlieger nicht mehr als sonst beeinträchtigt werden. Für die Nutzerinnen und Nutzer des Fahrradweges stellt sich aus ihrer Sicht keine Gefährdung dar.

Es wurde vorgeschlagen, die nicht asphaltierte Kongostraße zu asphaltieren, um den Lärmpegel zu senken. Hier ist zu prüfen, inwieweit dies möglich ist.

Kaufland schafft in der neuen Müllerhalle als Ankermieter ca. 100 neue Arbeitsplätze. Kaufland nimmt seine soziale Verantwortung ernst. Die Bezahlung eines jeden Arbeitsplatzes liegt über dem „Mindestlohn“ bei mindestens 9,50 € / Stunde plus X je nach Aufgabenfeld und Funktion. Ausbildungsplätze stehen ebenfalls zur Verfügung, wobei es mehr freie Plätze als geeignete Bewerberinnen und Bewerber gibt. Dieses Phänomen ist allerdings Berlin – und branchenweit gefächert festgestellt worden. Hierzu werden gesondert Möglichkeiten ausgelotet, um möglichst alle einen Ausbildungsplatz suchende Menschen zu versorgen.

Zwischen 20 und 50 weitere Arbeitsplätze entstehen durch die Konzessionäre.

Kaufland berücksichtigt beim Bau u. a. den demografischen Wandel und die Inklusion und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet hinsichtlich der barrierefreien Gestaltung durch     u. a. Aufzüge, Rollsteige, Gangbreite. Dies wird auch in der neuen Müllerhalle so umgesetzt.

Kaufland ist daran interessiert, dass es zur Belebung der Müllerstraße auch im Interesse des anliegenden Gewerbes kommt und möchte sich entsprechend engagieren und in bestehende Initiativen zur Aufwertung der Geschäftsstraße einbringen. Hierbei wird nicht erst die Fertigstellung der neuen Müllerhalle abgewartet. Schon jetzt beteiligt sich Kaufland aktiv an der Ausführung der Initiative „Osterprojekt[2]“.

Immer wieder wurde gegen die Bezeichnung „neue Müllerhalle“ gesprochen. Die Anwesenden sahen nicht den Markthallencharakter, wobei dieser vor Abbruch schon lange  zu vermissen war und auch trotz vieler Bemühungen verschiedenster Eigentümer der Müllerhalle nicht erreicht werden konnte. Durch verändertes Kaufverhalten verändern sich eben auch Strukturen.

Um so interessanter wird die Entwicklung der „neuen Müllerhalle“ nach Eröffnung zu beobachten sein, auch im Hinblick auf die Interessen aller Gewerbetreibenden dieser Geschäftsstraße.

Die SPD-Fraktion der BVV-Mitte wird den Prozess beobachtend und ggf. eingreifend begleiten.

Links:

Pressemitteilung des Baukollegiums der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom 22.11.2011

u. a. zur neuen Müllerhalle im Wedding

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau/baukultur/baukollegium/download/25_baukollegium_PM_21_11_11.pdf

Abriss und Neubau der Müllerhalle (Hintergrundartikel 01.05.2012)

https://www.spd-fraktion-mitte.de/aktuell/2012-05-01/abriss-neubau-muellerhalle

 

Initiativen der SPD-Fraktion zur Müllerhalle                                                                          https://www.spd-fraktion-mitte.de/search/node/M%C3%BCllerhalle

Informationen des Handelsverbandes Deutschland zum Thema                        http://www.generationenfreundliches-einkaufen.de/


[1]    Im Baukollegium beraten fünf unabhängige Experten und die Senatsbaudirektorin über einzelne Projekte und städtebauliche Planungen von besonderer Bedeutung.

[2]    http://www.muellerstrasse-aktiv.de/wp-content/uploads/130206_GM%C3%BC_Protokoll_15_Haendlerfruehstueck.pdf

Idee Osteraktion: Ostersträuße in den Schaufenstern in Kooperation mit Schulen, Kitas,

Vereinen etc., Ostereier-Suchaktion mit kleinen Preisen (z. B. in Form eines Kalenders), Ostereierlauf (kleines Rahmenprogramm) verbunden mit einer Frühjahrsputzaktion

 Martina Matischok