Berlin Mitte

Stoppt die Umzugsplanung! Das Zuckermuseum muss am Standort Amrumer Straße 32 erhalten bleiben

Bereits im Jahr 1850 schlossen sich am 01.September 115 Zuckerfabriken zum Verein der Zuckerindustrie in Magdeburg zusammen. 17 Jahre später, im Jahr 1867 entstand  das erste Forschungs- und Ausbildungslaboratorium in Berlin und im Jahr 1904 das Institut für Zuckerindustrie am Standort Amrumer Straße 32 in Berlin Mitte – Ortsteil Wedding. Im selben Jahr wurde das Zucker-Museum an diesem Standort in dafür eigenen Räumlichkeiten eröffnet. Präsentiert wurde die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Zuckers, allerdings bis 1989 nur Fachpublikum. Gezeigt wurde dies erst ab 1989 für die Öffentlichkeit zugänglich bis zur Schließung im November 2012 in Dauerausstellung. Als eigenständiges Landesmuseum wurde das Zucker-Museum der Öffentlichkeit im Jahr 1989 zugänglich. Die derzeit noch von der TU genutzten Flächen im denkmalgeschützten Standort sollten nach dem Auszug für weitere Ausstellungen genutzt werden, da der bisher nutzbare Raum lediglich 450 qm statt der benötigten 800 qm aufweist. Die Besuchszahl ist seit 2007 mit noch 14.235 Gästen jährlich steigend. Im Jahr 2011 waren 16.633 Besucherinnen und Besucher im Zucker-Museum, was deutlich macht, wie gut dieses Museum in der Kiezlage angenommen wird.

1995 wurde das Zucker-Museum in neue Trägerschaft zur Stiftung des Deutschen überführt.

Im November 2012 musste die Ausstellung am Standort Amrumer Straße 32 schließen. Sie soll in modernisierter Form Ende 2014 im Deutschen Technikmuseums am Standort Kreuzberg in der Trebbiner Straße 9 auf 97 qm, also 353 qm weniger als bisher neu eröffnen. Dies allein ist schon Hohn genug. Die Verhöhnung geht aber noch weiter, denn in der Zwischenzeit wird die Sammlung des Zucker-Museums eingelagert und ist damit über Jahre nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine mindestens zwei jährige Schließung ist auf Grund der langen Einlagerungszeit nicht nachvollziehbar und ist sofort rückgängig zu machen. Die Schließungsbestrebung kam überraschend. Gefragt wurde niemand, nicht einmal umgehend nach Entschlussfassung informiert wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zucker-Museums, auch nicht die Unterstützerinnen und Unterstützer des Fördervereins, nicht das Landesparlament, nicht die Bezirksverwaltung, nicht die Bezirksverordnetenversammlung Mitte. Es gab keine öffentliche Diskussion , keine Auseinandersetzung mit Befürworterinnen und Befürwortern des Erhalts am bisherigen Standort. Stillschweigend wurde die Schließung vorbereitet, um vollendete Tatsachen zu schaffen.

Die SPD-Fraktion der BVV Mitte ist gegen die Schließung des Zucker-Museums und hat daher in die BVV Oktober 2012 einen Antrag eingebracht, wonach das Bezirksamt ersucht wird, sich nachdrücklich für den Erhalt des Zucker-Museums am Standort Amrumer Straße 32 einzusetzen. Wir wollen, dass die Schließung rückgängig gemacht wird, um diese Ausstellung nicht bis Ende 2014 in verschlossenen Kisten zu wissen. Darüber hinaus ist die Umzugsplanung des Zucker-Museums ab Ende 2014 gänzlich neu zu überdenken.

Das Zucker-Museum, welches in seiner Einzigartigkeit auch eigenständig bleiben muss, passt weder zu den Ausstellungen des verkehrstechnisch orientierten Deutschen Technikmuseums noch zu dem historischen Gelände des Güterbahnhofes. Es ist zu befürchten, dass die Ausstellung dort nicht angenommen wird. Am jetzigen Standort in der Amrumer Straße 32 hingegen handelt es sich um eine den Kiez bereichernde und angenommene Ausstellung. Gerade im Stadtteil Wedding ist es wichtig, ein erfolgreiches Angebot dieser Art weiter vorzuhalten.

Die Zuckerausstellung muss ein Angebot bleiben, welches eben nicht unter vielen anderen insbesondere artfremden Ausstellungen zu finden ist. Dies kann das Deutsche Technikmuseum am Standort Kreuzberg nicht leisten.

Geleistet werden kann dies aber in den historischen Räumlichkeiten des Zucker-Museums am 108jährigen Traditionsstandort, an einem Ort der Zuckergeschichte mit aus dieser Geschichte resultierendem hohen Denkmalwert. Nach der Machbarkeitsstudie zur Entwicklung des Museums als Grundlage zur Erweiterung der Ausstellung in Verbindung mit entsprechender Konzeption und Freiziehen von Räumen durch Auszug von Teilen der Technischen Universität wäre die bisherige und in Etappen erweiterte Zuckerausstellung möglich. Möglich wäre es daneben auch, die gesamte Ausstellung der Lebensmitteltechnologie z. B. zur Milchwirtschaft, zur Müllerei, Brauerei und Brennerei in der Amrumer Straße unterzubringen. Verloren ist dann auch nicht das ans denkmalgeschützte Gebäude verknüpfte und nicht ins Deutsche Technikmuseum nach Kreuzberg überführbare Inventar wie historische Laboreinrichtungen, der historische Fahrstuhl, die Versuchszuckerfabrik und das für die damalige Zeit wegweisende Damenlabor speziell für Frauen im Studium.

Gerade Einrichtungen dieser Art in den Kiezen Berlins, in ihrer Eigenart belassen, sind zu erhalten. Dauerausstellungen ohne spezifische Erweiterung wie z. B. am aufgegebenen Standort dienen der Bezirksanbindung. Erfolgreiche Arbeit wurde geleistet u. a. durch die Einbindung des Schulumweltzentrums, wo u. a. gemeinsam organisierte Fahrt z. B. nach Magdeburg zur Besichtigung einer Zuckerfabrik möglich wurde. Auf diese an- und einbindende Arbeit, die mehr als die schon alleine wichtige Museumsarbeit darstellt, wollen wir nicht verzichten.

Die vollzogene Schließung des Zucker-Museums führt nicht dazu, dass wir unsere Auffassung nun mehr verändern und uns den neuen Gegebenheiten beugen.

Wir setzen uns daher weiterhin für die Rückgängigmachung der Schließung und Wiedereröffnung am bisherigem Ort des Zucker-Museums ein. Wir unterstützen Bestrebungen, die dazu führen, in den nunmehr leeren Räumen die notwendigen Umbaumaßnahmen vorzunehmen, um den Erfordernissen u. a. auch im Hinblick auf Inklusion gerecht zu werden. Wir unterstützen den schrittweisen Wiedereinzug der Dauerausstellung des Zuckermuseums nach Umbau und die Erweiterung in Etappen um dazu passende Dauerausstellungen der Lebensmitteltechnologie. Wir setzen uns dafür ein, dass die bisherige fachliche Leitung des Museums erhalten bleibt.

Wir haben uns an die Senatskanzlei sowie das Deutsche Technikmuseum gewandt und unsere Position dargelegt, um eine Umkehr des derzeitigen Beschlussstandes zu erwirken. Es bleibt zu hoffen, dass die Kungelei mit dem Deutschen Technikmuseum ein Ende hat und Bewährtes dort bleibt, wo es hingehört.

Martina Matischok 

121203 Zuckermuseum-Museum für Verkehr und Technik-Matischok

121203 Zuckermuseum-Staatskanzlei-Matischok